Funktionsweise:
Hier befindet sich die Mahlgradverstellung unterhalb des Mahlwerkes, also im Inneren der Mühle. Über Mahlkegel und Mahlkranz ist ein Bügel am Mühlendeckel geschraubt, in dem eine Flügelschraube eingedreht ist. Beim Drehen der Flügelschraube nach links oder rechts wird wie bei den oberstelligen Mahlwerken der Kegel mehr oder weniger weit in den Mahlkranz gedrückt, was den Abstand zwischen beiden Mahlwerkskomponenten verändert und sich somit auf die Feinheit des Mahlgutes auswirkt.
Bei unterstelligen Mahlwerken unterscheidet man zwischen 4 Mahlwerkslagerungen: Kugellagerung (zum Dienes-Patent), Halbschalenlagerung (zum Zassenhaus-Patent), Flachklammerlagerung und Dornlagerung.
Alle Lagerungen haben die selbe Aufgabe: Die Mahlgradschraube wirkt direkt auf das jeweilige Lagerelement und je nach eingestellten Mahlgrad wird der Mahlkegel mehr oder weniger weit in den Mahlkranz hinein drückt. So kann individuell die Feinheit des Mahlguts eingestellt werden.
Qualitative Unterschiede zwischen den jeweiligen Lagerungsarten sind sehr gering. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ein kugelgelagertes Mahlwerk verschleißärmer ist, die Firma Dienes hatte mit der Einführung der Kugellagerung sogar mit einem "geräuschlosen Solida-Mahlwerk" geworben. Wenn ein Mahlwerk korrekt eingestellt ist macht es selber keine Geräusche, egal wie es gelagert ist. Das Geräusch beim Mahlen entsteht durch das Brechen und Mahlen der harten Kaffeebohnen, das hat nichts mit dem Mahlwerk zu tun, hier kann man von einem Marketing-Slogan der Firma Dienes ausgehen um den Verkauf anzukurbeln... Der Verschleiß der Flachklammer- und Dornlagerung ist im Gegensatz zur Kugel- und Halbschalenklammer schon geringfügig größer. Bei Mühlen die viele Jahrzehnte in Gebrauch gewesen sind findet man schon mal abgeriebene/abgenutzte Flachklammern oder durch die Reibung entstandene zu kurze Dorne so das der Kegel nicht mehr in den Mahlkranz hinein gedrückt wird, somit ist eine Mahlgradregulierung nicht mehr möglich und die Mühle ist funktionsuntüchtig. Aber in aller Regel ist das Mahlwerk dann auch schon dermaßen abgenutzt, dass die defekte Lagerung dann auch keine Rolle mehr spielt. Bei der Kaufentscheidung einer Kaffeemühle sollte man aus den hier aufgeführten Gründen keinen sehr großen Wert auf die Mahlwerkslagerung legen, die Lagerung überlebt normaler Weise jedes Mahlwerk.
| Vorteil | Nachteil | |
| Kugellagerung |
-große Laufruhe -geringer Verschleiß |
* siehe unten |
| Halbschalenlagerung |
-große Laufruhe -geringer Verschleiß |
--- |
| Flachklammerlagerung | -gute Laufruhe |
-etwas größerer Verschleiß |
| Dornlagerung | -gute Laufruhe | -größerer Verschleiß im Laufe der Jahrzehnte |
* Beim Zerlegen zwecks Reinigung des Mahlwerks unbedingt auf die Kugel achten die in der Kegelbohrung sitzt. Diese fällt schnell unbemerkt heraus ist wegen ihrer kleinen Größe (3-5 mm) schwer wieder auffindbar. Bei mir sind Kugeln schon dauerhaft verschwunden, wohin auch immer...
Kugelgelagertes Mahlwerk
Halbschalengelagertes Mahlwerk
Flachklammergelagertes Mahlwerk
Dorngelagertes Mahlwerk
Ab den 1950er Jahren wurden die Mahlwerke und der Bohnentrichter mit Deckel bei vielen Mühlenbauern eine Einheit. Der Grund war eine einfachere und schnellere Endmontage von vorgefertigten Einheiten.
Dienes hat bei seinen kugelgelagerten Mahlwerken den Zusatz "Solida" angehangen, die Fa. Lehnartz den Zusatz "Qualitina".
Das Anbringen der Mahlgradschraube am Deckel der Mühle hat die Fa. Zassenhaus bei mehreren Modellen umgesetzt (siehe Nr. 498 und Nr. 495). Eigentlich recht praktisch da hier die Mahlgradverstellung nicht umständlich im Inneren der Mühle vorgenommen werden muss, allerdings ist die Mahlgradschraube bei den meisten Mühlen, die ich in der Hand hatte, recht schwergängig, Hin und wieder hat man auch mal ein Modell in der Hand, an dem das Feingewinde der Mahlgradschraube überdreht bzw. ausgerissen ist, somit ist der Mahlgrad nicht mehr einstellbar und die Mühle funktionsuntüchtig.
Unterstelliges, kugelgelagertes Mahlwerk mit Getriebeumsetzung der Dienes Tischmühle Nr. 1710
von 1930-1940
Eigentlich bei allen deutschen Handmühlen war die Kurbel direkt mit der Mahlkegelspindel verbunden, die Kraft wurde somit direkt auf den Mahlkegel übertragen. Bei der Dienes Nr. 1710 wurde eine Besonderheit eingebaut. Die Kraft der Kurbel wird über ein Zahnradgetriebe auf den im unteren Bereich der Mühle eingesetzen Mahlkegel übertragen. Durch diese Anbringung des Mahlwerkes im unteren Mühlenbereich, im Gegensatz zu herkömmlichen Tischmühlen, wurde im oberen Mühlenbereich mehr Platz für einen größeren Bohnentrichter geschaffen
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