<<<

           Allgemeines zur Reinigung

Eigentlich jede gekaufte alte Mühle muss erst einmal von Grund auf gereinigt werden bevor sie einen Platz in einer Mühlesammlung bekommt oder als Dekostück bzw. als Gebrauchsgegenstand in die Küche platziert wird.

Viele alte "Schätze" sind beim Kauf in einem bedauernswerten Zustand. Äußerlich sehr oft eingestaubt, verdreckt oder vom jahrelangen Herumstehen in der Küche mit einer feinen Fettschicht überzogen. Die vernickelten oder verchromten Metallteile haben ihren ehemaligen Glanz verloren.

Das Mühleninnere sieht häufig ähnlich traurig aus... im Mahlkegel haben sich seit Jahrzenten Kaffeebohnen behauptet, am Mahlkranz und an der Mahlgradeinstellung klebt mindestens ebenso lange das alte Kaffeemehl. Aber es geht noch schlimmer... man glaubt kaum, was so manche Mühle im Laufe ihres langen Lebens alles zerkleinern sollte. Das fängt bei Getreidekörnern an, geht weiter zu Zuckerresten und Zimtstangen sowie Schokolade und anderen undefinierbaren, klebrigen Rückständen, die im Laufe der Zeit hart wie "Beton" geworden sind. 

 

Ganz nach dem Motto

 

"Eine alte Mühle darf ruhig alt aussehen, aber sauber muss sie sein" 

 

muss jede Mühle nach dem Kauf zwecks Reinigung komplett zerlegt werden. 

 

Hier möchte ich euch Tipps und Tricks zum Zerlegen, Reinigen und Aufpolieren der Holz- wie auch der Metallteile geben.

Als Anschauungsobjekt habe ich hier eine Mühle Nr. 1600 der Fa. Dienes aus den Jahren um 1950 in einem ganz "normalen Kaufzustand" ausgewählt.

Bei der Vielzahl an Modellen kann das Zerlegen natürlich immer etwas von der hier gezeigten Mühle abweichen, das Prinzip ist aber in der Regel immer dasselbe.

 

 

Werkzeug

Für das Restaurieren von Kaffeemühlen benötigt man kein Spezialwerkzeug. Zum Zerlegen ist ein kleiner Rollgabelschlüssel, eine kleine, verstellbare Wasserpumpenzange und Schraubenzieher in verschiedenen Größen ausreichend. Zum Reinigen benötigt man eine große und kleine Metallbürste, eine Zahnbürste, verschiedene Reinigungsschwämme und natürlich Reinigungs- und Poliermittel.

Zerlegen

 

 

 

​Als erstes schrauben wir die Hutmutter von der Spindel

 

 

Zum Lösen der Kurbel muss die Spindel mit einer Zange gehalten werden. Aber niemals die Zange direkt unterhalb der Kurbel ansetzen. Bei festsitzenden Kurbeln hinterlässt eine Zange eventuell unschöne Kratzer bzw. Macken. Ich nehme dafür immer eine kleine Rohrzange und packe die Spindel so weit wie möglich oben im Inneren des Bohnentrichters, Kratzer sind somit später nicht zu sehen.

Nachdem die Kurbel gelöst ist wird der Metalldeckel, bei anderen Modellen der Bohnentrichter abgeschraubt. Häufig sitzt in den Schraubenschlitzen so viel Dreck, dass der Schraubenzieher nicht richtig packen kann und bei schwergängigen Schrauben den Schlitz ausreißt, was sehr unschön aussieht. Daher erst einmal die Schraubenzieherkante 1-2 mal durch den Schlitz ziehen bis der grobe Dreck weg ist.

 

 

 

Dann lösen der 4 Schrauben und den Deckel von der Spindel abziehen.

 

Viele Kaffeemühlen haben einen eingelegten Trichter aus den verschiedensten Materialien wie z. B. lackiertes Aluminium, Kunststoff, Bakelite, Keramik oder Steingut. An dem vorliegenden Trichter aus lackierten Aluminium haften sogar noch einige Kaffeebohnen, wie alt diese sind möchte man nicht wirklich wissen...

 

 

Nun wird die Kopfplatte mit dem angeschraubten Mahlwerk gelöst. Meistens müssen 4 Schrauben auf der Kopfplatte gelöst werden, bei diesem Modell sind es 2 Schrauben an den Seitenteilen.

 

 

 

Jetzt werden die letzten Schrauben am Bügel der Mahlgradverstellung gelöst.

 

 

Nach dem Lösen der letzten beiden Schrauben kann das Mahlwerk zerlegt werden.

 

 

 

Jetzt, da wir alle Einzelteile vor uns liegen haben, geht es zur Reinigung....

Reinigung

Die Reinigung der Mahlwerksteile ist häufig Schwerstarbeit. Das oft seit vielen Jahren anhaftende Kaffeemehl kann hart wie "Beton" werden. Dicke Ablagerungen kratze ich erst einmal mit dem Schraubenzieher ab und den Rest erledigt in der Regel die Messingbürste. Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, lege ich die entsprechenden Teile ca. 30 Minuten in Essig ein, dieser löst meistens die Kaffeereste. Diese kann man dann mit einer harten Zahnbürste und etwas Spülmittel entfernen.

Den Metalldeckel kann man natürlich nicht mit "schweren Gerät" reinigen. Eine Metallbürste oder ein Kratzschwamm würde unweigerlich Kratzer in dem vernickelten oder verchromten Metall hinterlassen. Hier nehme ich immer erst einmal einen üblichen Spülschwamm mit viel Spülmittel um die Staub- und Fettschicht abzuwaschen. Anschließend wird der trockene Deckel mit Metallpolitur und einem weichen         Lappen auf Hochglanz poliert.

Ähnlich wie beim Deckel muss auch beim Holzkörper mit Vorsicht gereinigt werden. Ein Kratzschwamm würde zwar alle Verunreinigungen beseitigen, allerdings auch die Schutzlasur und die Mühle würde anschließend aussehen wie abgeschmirgelt, ein Tod jeder Sammlermühle! Daher auch hier nur mit einem Spülschwamm und Spülmittel reinigen. Das im Inneren befindliche Kaffeemehl entferne ich unter laufenden Wasser mit einer Flaschenbürste. Wichtig ist, dass das Holz sofort abgetrocknet wird damit das Wasser nicht in das Holz einziehen kann. Wenn alle Einzelteile sauber sind müssen sie vollkommen trocken sein bevor man  die Mühle wieder zusammen baut. Im Sommer lege ich sie einfach in den Garten, im Winter auf eine Heizung. Aber Achtung: Die Heizung darf nur leicht warm sein, zu viel Wärme kann zu Rissen im Holz führen!

Ist der Innentrichter aus Kunststoff, Bakelit oder Keramik ist ein Säubern mit einem Schwamm und Spülmittel kein Problem. Die meisten Trichter sind jedoch mit weißer Farbe lackiert und somit wäre ein Kratzschwamm oder ähnliches der Tod der Farbschicht. Ebenso wenig darf der Trichter in Essig eingelegt werden, denn dieser weicht die Farbschicht auf. Hier hilft nur ein Spülschwamm und Spülmittel! Leider nimmt die helle Farbschicht die Bräune der Kaffeebohnen an und ist meistens mit dem Schwamm nicht mehr komplett zu beseitigen. In diesem Fall hilft es, den Trichter ca. 30 Minuten in warmen Wasser mit etwas Spüllmittel einzulegen und anschließend nochmals mit einem Schwamm zu reinigen. Wenn danach eventuell immer noch eine geringe Braunfärbung am Trichter zu sehen sein sollte, hier mein gut gemeinter Rat: Lasst die leicht braune Restverfärbung am Trichter bevor man zu gründlich vorgehen möchte und dabei die Lackierung beschädigt oder komplett entfernt. 

Nachdem alle Mühlenteile gereinigt und trocken sind geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder an den Zusammenbau. 

Je nach Verschmutzungsgrad und Übung muss man für das Zerlegen, Reinigen, Polieren und dem anschließenden Rückbau zwischen 30-60 Minuten rechnen. Ein relativ großer Zeitaufwand, sieht man zum Schluss aber das Ergebnis, dann hat es sich in der Regel mehr als gelohnt.

Ganz nach dem Motto: "Eine alte Mühle kann zwar alt aussehen, aber sauber muss sie sein" haben wir aus einem alten, verdreckten Gebrauchsgegenstand wieder einen "kleinen Schatz" gemacht der in jeder Sammlung (oder als Gebrauchs-/Dekoartikel in der Küche) einen Stammplatz haben sollte.   :-)

Das Ergebnis

                Vorher

                 Nachher

               Vorher

              Nachher

                Vorher

               Nachher

                 Vorher

              Nachher

 

Ein weiteres Beispiel an einer gut 120 Jahre alten Mühle.

Im Kaufzustand war sie völlig verdreckt, die Kurbel hatte Rost angesetzt, am Mahlwerk klebte jahrzehnte alter Kaffee und die Messingelemente waren stumpf.  Nach gut 2 Stunden war der Holzkörper abgewaschen und aufpoliert, die Messingteile und das Firmenlogo glänzten wie neu, die Mahlwerkskomponenten sind sauber und blank, ebenso  die rostige Kurbel.

Zwei Stunden Arbeit, die aus einer alten Kaffeemühle einen Blickfang für jede Sammlung gemacht hat.

 

Es hat sich gelohnt!

 

____________________________________________________________________________________

Weitere Beispiele von gelungenen Restaurationen

 

Zur Detailbeschreibung dieser Mühle

Restaurierte Sitzmühle

von 1800-1850

Detailbeschreibung finden Sie hier

 

 

Mahlkegel und Mahlkranz stark verkrustet und komplet mit Rost bedeckt.

 

 

 

 

 

Beide Mahlwerksteile mit Drahtbürste gereinigt und entrostet. Das kann händisch erfolgen, das beste Ergebnis erzielt man jedoch mit einer in eine Bohrmaschine (optimal Standbohrmaschine) eingespannten Rundbürste mit Stahl- oder Messingborsten.

 

 

 

 

 

 

 

Kurbelblatt analog zum Mahlwerk entrostet, anschießend mit Metallpolitur nachpoliert. Die dunklen Flecken auf dem Metall sind durch größere Unebenheiten im Stahl zu erklären. Mit viel Aufwand könnten sie auch noch großteils entfernt werden, ich bin aber der Meinung, dass man einer so alten Mühle ruhig ihr Alter ansehen darf, das macht den Charme solch alter Stücke aus, eine blitzeblanke Kurbel würde nicht zu dem Rest passen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle restlichen Metallteile gereinigt und entrostet. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die dicke Patina-Schicht konnte man beim Kauf der Mühle nur ahnen, dass es sich hier um einen Messingtrichter handelt. Das Polieren der Schale war echte "Schwerstarbeit" die sich aber gelohnt hat.

 

 

 

 

 

 

Nachdem alle Metallteile aufbereitet waren, ging es an die Restaurierung der Holzelemente. 

Durch die lange Lagerung in einer Scheune hatte das Holz stark gelitten. Feuchtigkeit hatte das Nussbaumholz ergrauen lassen, Risse sind entstanden und in allen Teilen hatte sich der Holzwurm eingenistet. Die Holzplatten waren von den ehemaligen "Bewohnern" stellenweise regelrecht ausgehölt worden. Diese Stellen, die größeren Löcher und heraus gebrochenen Ecken wurden mit Holzhärter stabilisiert und so weit wie möglich mit Holzkitt verschlossen. Der Boden der Schublade war leider irreparabel und musste ersetzt werden. Anschließend wurden alle Holzelemente zuerst mit groben Schmiegelpapier abgeschliffen, im Anschluss mit feinen Schleifpapier (Körnung 240 oder mehr) glatt poliert. Hier sollte man sehr sorgfältig vorgehen, denn umso glatter das Holz geschliffen wird, umso besser wird zum Schluss das Ergebnis sein! Nachdem das Holz feinpoliert war wurde es mit Holzöl gestrichen damit das Nussbaumholz seine natürliche dunkle Farbe und schöne Maserung zurück bekommt. Danach wird das Holz gewachst und mit einer dünnen Klarlackschicht überzogen. 

Für die Restaurierung der Holzelemente hatte ich mir Ratschläge und Tipps bei einem Möbelrestaurateur geholt, der mir die Grundkenntnisse der Holzbearbeitung theoretisch und praktisch vermittelt hat.

 

Vielen Dank dafür an Hans Brüll!

 

 

Zum Schluss noch ein guter Tipp von einem lieben Leser dieser Seite, der mit einem recht einfachen Trick das Logo an seiner Mühle dauerhaft erhalten konnte.

 

Hallo und vielen Dank für eure tolle Info mit der ich die schöne Dienes 550 von meiner Oma gereinigt habe um sie zu benutzen.
Leider hat sich der Aufkleber beim Anfassen teilweise gelöst. Mit euren Logo-Fotos habe ich die Schrift wenigstens ergänzen können.
Den restlichen Original-Aufkleber habe ich mit einer stabilen Kopierfolie geschützt.
Erst die Form abgezeichnet und dann ausgeschnitten und aufgeklebt. Vorsichtig von der unteren Kante angefangen in einer abrollenden Bewegung damit keine Luft-Blasen entstehen. Vorne im Bild liegt noch die abgezogene Schutzfolie.
Das hält gut und lange - bestimmt noch eine Generation.
Ggf. nützlich auch für Andere, die das Originallogo erhalten möchten.

Vielen Dank für diesen Tipp an Gerald!

Wenn Ihnen dieser Beitrag weiter geholfen hat, haben Sie hier die Möglichkeit unserer Seite mit einer kleinen Spende weiter zu helfen. Mit Ihrer Hilfe ermöglichen Sie es uns diese Seite weiter auszubauen und noch interessanter zu gestalten, vielen Dank

 

Diese Seite soll ausschließlich privaten Zwecken dienen.

Das Kopieren von Dokumenten, Texten oder Fotos bedarf der Zustimmung von old-coffee-grinders.com.

Eine Nutzung für kommerzielle Zwecke ist nicht gestattet!

Besucher

Druckversion | Sitemap
| Impressum | Ⓒ Old-Coffee-Grinders.com

Downloads & Kopien von Fotos, Texten & Dokumenten dieser Seite sind nicht gestattet!

Spenden - donate - donar - donner - donare


E-Mail